Conrad Rodenberg

Raumgreifende ästhetische Erfahrung (Rezension)

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[Rezension zum ersten Band der Schriftenreihe »grund_schule kunst bildung« von Ulrike Martens erschienen in den BDK-Mitteilungen 2.2014, S. 44]

Raumgreifende ästhetische Erfahrung

Winderlich, Kirsten (Hg): grund_schule kunst bildung. band eins: ort und raum. Oberhausen (Athena Verlag) 2013; 89 Seiten; 19,50 Euro; ISBN978-3-89896-557-6

Wie kann man Raum nutzen, um ihn als Ort sinnlicher Erfahrung für Grundschulkinder erschließbar zu machen? Wie kann man die unmittelbare Umgebung, die Schule, den Klassenraum, den Schulweg zu Orten werden lassen, an denen kreative Prozesse angestoßen werden und sich entwickeln können? Wie können diese Orte, die von anderen gestaltet wurden, in Besitz genommen und zu einem eigenen lustigen, geheimen, wundersamen oder klangvollen Raum werden?

Dieser erste Band in der Schriftenreihe „grund_schule kunst bildung“ geht diesen Fragen intensiv nach. Insgesamt elf Autorinnen und Autoren beschreiben Projekte, die im Rahmen der „grund_schule der Künste“ entstanden sind, welche an der Universität der Künste in Berlin beheimatet ist und von der Herausgeberin geleitet wird. Ziel der Reihe ist es, „innovative ästhetische und künstlerische Schulpraxis“ (S. 5) zu entwickeln und vorzustellen, was gut gelingt.

In Anlehnung an die zeitgenössische Künstlerin Andrea Zittel wird z.B. der „Leseraum“ von Grundschülern erobert: Ein mobiles Zeltlager als Bilderbuchwerkstatt lädt nicht nur zum Lesen ein. Die Zelte bieten einen eigenen, geschützten Raum, in dem die Kulturtechnik des Lesens nicht nur eingeübt, sondern emotional unterstützt und durch die Besonderheit des Raumes sinnlich erfahrbar gemacht wird. Ein Projekt zum Thema „Streetart“ regt an, öffentlichen Stadtraum als veränderbar wahrzunehmen. Der eigene Stadtteil wird zum „Abenteuerspielplatz“ und verwandelt sich in ein ästhetisches Experimentierfeld. Mit Hilfe einer „Würfelreise“ (an jeder Kreuzung wird gewürfelt, in welche Richtung zu gehen ist) erkunden Kinder neue Wege, im doppelten Sinn dieses Wortes. Auch wissenschaftliche Methoden, wie das Sammeln von Fundstücken oder das Beschreiben eines Ortes kommen zum Einsatz und können Auslöser für individuelle kreative Prozesse sein. Die hier vorgestellten Projekte bieten sich als Vorschläge an. Die kurzen, aber prägnanten Texte und die Fotos machen dieses Buch gut lesbar und regen an, eigene raumbezogene Unterrichtsvorhaben zu entwickeln.

Ulrike Martens

erhältlich beim Athena Verlag