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Architektur lesen lernen

Turit Fröbe, ehemals Gastprofessorin in der grund_schule der künste stellt ihr neues Buch aktuell auf der Frankfurter Buchmesse vor

 Fröbe, Turit: Alles nur Fassade? Das Bestimmungsbuch für moderne Architektur. Köln (DuMont Buchverlag) 2018; 176 Seiten, 500 farbige Abbildungen; 20,00 Euro; ISBN 978-3-8321-9947-0

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Von den Fenstern ausgehend nicht nur Architektur einordnen können sondern auch ein Gefühl für sie zu bekommen – geht das? Dass das geht zeigt ein Spaziergang mit dem Bestimmungsbuch von Turit Fröbe im Gepäck. Ähnlich wie Franz Hessel (1929) geht es auch Fröbe um den verlangsamten und dabei wahrnehmenden Blick für die Elemente, die Architektur ausmachen. Fenster, Material und Form sind dabei die Kategorien, über die sich der jeweilige Stil der Architektur bestimmen lässt. Bewusst legt die Architekturhistorikerin dabei den Schwerpunkt nicht, wie ansonsten im Rahmen von Publikationen zur Architektur üblich, auf das Besondere und Herausragende, sondern auf das Alltägliche. Wer die „Kunst der Bausünde“ (2013) kennt, merkt schnell: Turit Fröbe bleibt sich treu. Mit Humor und gleichzeitig unersättlicher Freude am Detail, führt sie uns mit ihrem Bestimmungsbuch in das Wesen der modernen Architektur ein und befähigt uns damit sie zu „lesen“.

Auch didaktisch ist das Buch ausgeklügelt und von seltener Gewitztheit. Mit einem Überblick über Fenster und ihre unterschiedlichen Formate steigen wir ein und lernen, was die Fassaden uns über die Stile der Moderne, inklusive Vormoderne, zu erzählen haben. Dabei wird auch berücksichtigt, dass die Entwicklungen in der ehemaligen BRD und DDR unterschiedlich bzw. leicht zeitversetzt verlaufen sind. Was wäre eine Erkundungstour ohne die Gefahr einer Falle? Turit Fröbe hat daran gedacht und sensibilisiert uns mit einem Button „Achtung NEO Falle!“ dafür, dass wir gegenwärtig im Stadtraum vielen Baustilen der Moderne als Revival begegnen. Sie rät: „Schauen Sie besser noch einmal bei den Neo-Stilen ab Seite 158 nach!“ (15)

Kurzum: Das Buch ist gerade im Hinblick auf die Rahmenlehrpläne, die Architektur explizit als Unterrichtsgegenstand hervorheben, ein Gewinn und sollte deshalb in keinem Kunstunterricht fehlen – weder im Gymnasium noch in der Grundschule!

Kirsten Winderlich