Conrad Rodenberg

Ästhetische Erfahrungen in Musealen Räumen (Rezension)

GdK_Band3-2

[Rezension zum dritten Band der Schriftenreihe »grund_schule kunst bildung« von Kerstin Hallmann erschienen in den BDK-Mitteilungen 2/2016.]

Ästhetische Erfahrungen in musealen Räumen

Winderlich, Kirsten (Hg.) grund_schule kunst bildung, band drei: museum. Oberhausen (Athena Verlag) 2015; 112 Seiten; 19,50 Euro; ISBN: 978-3-89896-622-1

Die „grund_schule der künste“ (Udk Berlin) versteht sich als besonderen Bildungsort in dem durch interdisziplinäre Projekte erkundet wird, wie Bildung durch die Künste gelingen kann. Dies spiegelt sich auch in der dazugehörigen Schriftenreihe, die ästhetische Erfahrungen, Arbeits- und Forschungsweisen der Projekte dokumentiert und reflektiert. Während sich die beiden ersten Bände mit den Themenfeldern „ort & raum“ und „material“ beschäftigten, wagt der jüngst erschienene dritte Band den Weg aus den geschützten Projekträumen hinaus an museale Bildungsorte.
Im Zentrum steht die Frage, was ein Museum ist bzw. sein kann und wie sich Kinder museale Räume und dort Präsentiertes aneignen. Die Autoren des Sammelbandes geben Einblicke in performative, kartographierende, erzählerische und auditive Annäherungsweisen an zeitgenössische Kunst, kultur- und kunsthistorische Museumsorte. So erkunden beispielsweise Kinder das ästhetische Bildungspotenzial von Audioguides indem sie nicht vorproduziertes konsumieren, sondern selbst einen experimentellen Audioguide bei ihren Streifzügen durchs Museum erstellen. In einem anderen Projekt initiieren kunsthistorische Gemälde Imaginationen, die wiederum in sprechende, schreibende und performative Handlungen transformiert werden. Die Praxisbeispiele verdeutlichen, wie Ausstellungssituationen zu Handlungs- und Erfahrungsräumen für Kinder werden können, wenn es nicht primär um die Weitergabe kunsthistorisch abgesicherten Wissens geht.
Zu Wort kommen in den Beiträgen vor allem die Lernenden und dass sind in diesem Fall die teilnehmenden Kinder und Studierenden ebenso wie die Lehrenden. Denn hier geht es nicht nur um die Präsentation gelungener Projekte, sondern auch um den Versuch der Dokumentation und Erforschung ephemerer Bildungssituationen. So kann das Buch in zwei Richtungen gelesen werden. Zum einen als Ideenpool für experimentelle und handlungsorientierte Zugänge zu musealen Räumen und deren Ausstellungen. Und zum anderen als forschende Vorbereitung auf das nächste Projekt: Die Entwicklung eines Museumsführers für Kinder. Die vorliegenden Buchbeiträge aus dem Band „museum“ untersuchen dementsprechend primär die Frage, wie Kinder durch selbstbildende Wahrnehmungs- und Zugangsweisen in Kontakt mit Museen treten.

Kerstin Hallmann

Das Buch ist über den Athena Verlag erhältlich.