Im Rahmen der grund_schule der künste findet sowohl Praxisforschung als auch wissenschaftliche Forschung statt.

Die Praxisforschung ist dabei auf den individuellen Einzelfall bezogen und bindet die beteiligten Lehrer_innen als Experten für das Feld Kunst, Bildung und Schule ein. Im Mittelpunkt stehen dabei zum Beispiel folgenden Fragen: Wie können Schulen ihr ästhetisches und künstlerisches Bildungsprofil stärken? Auf welche Weise können die Fachlehrer_innen für die Fächer Kunst, Musik, Darstellendes Spiel und Tanz dabei in die Entwicklung von Schulkultur eingebunden werden? Wie können Kooperationen zwischen Schulen und Kulturinstitutionen unter Einbindung der Fachlehrer_innen gestärkt und nachhaltig gefördert werden?

Die wissenschaftliche Forschung ist im Kontext der Kindheitsforschung angesiedelt und richtet ihren Blick auf die ästhetische Selbstbildung von Kindern. Ausgangspunkt sind Fragen, die sich mit den individuellen Weltzugängen von Kindern beschäftigen, wie zum Beispiel Fragen, die sich auf die Entwicklung individueller Bildsprache beziehen oder auf die verstehenden Zugänge zu den Künsten.

Prof. Dr. Kirsten Winderlich

Artist-in-Residence an Grundschulen

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Die Stiftung Brandenburger Tor startet in Kooperation mit der grund_schule der künste der UdK Berlin ein Programm zur künstlerischen Förderung von Kindern.

Das Programm Max – Artists in Residence an Grundschulen ist ein Projekt der Stiftung Brandenburger Tor und der grund_schule der künste der UdK Berlin, das  nicht nur Impulse für den Kunstunterricht setzen sondern Kinder darüber hinaus im Schulalltag umfassend künstlerisch fördern will.

In diesem Zusammenhang werden zukünftig bis zu sechs Künstlerinnen und Künstler in Berliner Grundschulen „einziehen“. In ihren Ateliers in den Schulen ermöglichen sie Kindern eine Vielfalt an Kunst-Begegnungen und Gelegenheiten für eigene künstlerische Projekte. Beraten werden sie von Seiten der grund_schule der künste von Nick Ash. Auf die abschließende gemeinsame Ausstellung dürfen wir gespannt sein.

An der UdK Berlin hat Frau Prof. Winderlich die wissenschaftliche Projektleitung inne. Gemeinsam mit der wissenschaftlichen Mitarbeiterin Evelyn May werden die ästhetischen und künstlerischen Bildungsprozesse qualitativ-empirisch beschrieben und für die Weiterentwicklung des Programms sowie die künstlerische Lehrkräftebildung produktiv gemacht.

Annika Vogt

Kooperation Kulturinstitution: Inszenierungsformate

Annika Vogt ist in der grund_schule der künste als Lehrkraft für besondere Aufgaben tätig. Ihr Lehr- und Forschungsschwerpunkt ist das Zeitgenössische Theater und die Performance. Ihre Seminare und Forschungsprojekte beschäftigen sich mit Ästhetischen Bildungsprozessen aus der Perspektive theatraler und performativer Verfahren. Dabei untersucht sie Konzepte des Körpers, der Zeit, des Raums und des Materials auf ihren ästhetischen Bildungsgehalt hin. Besonderes Interesse liegt im Spiel mit Fiktion und Wirklichkeit, der Körpererfahrung, in biografischen und fiktionalen Erzähltechniken sowie Dingen, die über ihre funktionale Bedeutung hinaus betrachtet werden.

Theoretische Anlehnung findet sich in ihrer Lehre und Forschung in Ansätzen der Theorie der Performativität, des Embodiments sowie der phänomenologischen Bildungsforschung.

Sie entwickelte für die grund_schule der künste ein Forschungs-und Inszenierungsformat, das mit verschiedenen Kooperationskulturinstitutionen (Staatsoper, Philharmonie) umgesetzt wird. Dabei werden performative Verfahren als Forschungsstrategien eingesetzt und die Ergebnisse inszeniert.

Aktuelle Fragestellungen:

Wie können performative Verfahren ästhetische Bildungsprozesse in der Schule initiieren?

Wie kann die Suche nach theatralen Ausdrucksformen von Selbstbildung gestaltet werden, so dass das Kind mit seiner Perspektive und Fragestellungen im Mittelpunkt steht?

Welche Rolle spielt der Körper beim Anbahnen und Unterstützen von Ästhetischen Bildungsprozessen?

Welchen Bildungsgehalt haben Dinge, wenn man sie aus einer performativen Perspektive aus betrachtet?

Welchen Zugang bieten Schwellenerfahrungen als eine performative Dimension ästhetischer Erfahrung zu Museen?

Nick Ash

Forschungsprojekt

CURATING AESTHETIC SELF LEARNING – AN ETHNOGRAPHICAL STUDY ON SPATIAL AND MATERIAL INTERVENTIONS IN ARTS EDUCATION

Developments in our knowledge of how the arts and specifically the practice of art making can trigger aesthetic self learning processes in children have led to a reassessment of what form an art class can and should take on. When a child is able to productively self learn and explore individual areas of interest, then what role should the teacher have? Are we to leave the children to their own devices and restrict our interventions to maintaining order? Or should teachers try to develop ways in engaging with the children’s explorative processes? At the Universität der Künste Berlin an art studio has been created within the grund_schule der künste to explore these questions.

Today, only the boundaries of the imagination and the law of the land place any kind of restrictions on what can become art. The act of choosing has become the overriding artistic form of expression in contemporary art that is pivotal to how exhibitions are conceived today and particularly evident in installations where individual objects are seen as parts of a whole. Choosing what to place where in a space was traditionally the domain of the curator. The merging definition of the artist and the curator can help explore how art classes can be reconceptualized. The principle agents a teacher can use in an art class are material, the classroom space itself and language (spoken, written and body language) which are in fact the same agents the artist and curator use in an exhibition. The studio at the grund_schule der künste has taken on the role of a laboratory where it will be possible to observe the effects highly individual and diverse approaches to spatial and material interventions can have on the art making processes of children. Every semester we will invite an artist to share the studio with a group of children, both the artist and the children are invited to work on each other’s spacial and material interventions, whereby the artist and the children are the joint authors of the work and during the process have both entered into a spatial and material dialog that is manifested in the final installation.

The research therefore aims to look at how the role of the art teacher can develop into that of a curator working together with the children by supporting their self learning activities with spatial, material and conceptual interventions.

Prof. Dr. Kirsten Winderlich

Bilderbuchwerkstatt

Zeitgenössische Bilderbücher bieten Kindern vielfältige
Bildungsmöglichkeiten, wenngleich viele Erwachsene diesbezüglich eher
Vorbehalte haben: Sind diese Bilderbücher überhaupt noch etwas für Kinder?
Haben sie nicht zuwenig Text? Solche und ähnliche Fragen sind angesichts
zeitgenössischer Bildbücher immer wieder zu hören – bemerkenswerter Weise,
obwohl es kaum Rezeptionsforschung zum zeitgenössischen Bilderbuch gibt,
das heißt derartige Sorgen der Erwachsenen nicht wissenschaftlich belegt
sind.
Aus diesem Grund widmet sich die grund_schule der künste der
Rezeptionsforschung zeitgenössischer Bilderbücher und hat dafür eine
eigene Forschungswerkstatt (vgl. Orts- und raumbezogene Konzepte und
Modelle für die ästhetische Bildung von Kindern und deren Erforschung)
eingerichtet.

„Die Rezeption von Bilderbüchern ist mit Jens Thiele als „komplexes
elementares Ereignis“ zu verstehen. „Es kann der flüchtige Blick sein,
der etwas aufspürt, etwas ahnt, es kann die haptische Erfahrung des
Materials sein, es kann die Fremdheit des Objekts sein, es kann die
Assoziation an vorherige Erfahrungen sein“, der den nicht zu
formalisierenden Rezeptionsprozess prägt. In diesem Zusammenhang eine
Perspektive des Anderen annäherungsweise einzunehmen, stellt eine
besondere forschungsmethodologische Herausforderung dar. Ein Problem ist
hierbei, dass sich das Verständnis kindlicher Wahrnehmung häufig über
Setzungen der Erwachsenen definiert und auf diese Weise ein Zugang zur
Rezeption der Kinder erschwert wird. Entsprechend lautet meine
impulsgebende Frage: Wie können die spezifischen Zugänge von
Grundschulkindern zu Bilderbüchern erhoben werden? Welche Methoden und
Verfahren können im Rahmen einer spezifisch auf Kinder zielenden
Rezeptionsforschung eingesetzt werden? Welche Voraussetzungen und
Rahmenbedingungen sollten mit bedacht werden? Welche Instrumente und
methodische Vorgehensweisen sind dazu nötig?“

Aus: Kirsten Winderlich: Die Bilderbuchwerkstatt. Forschende Zugänge zur
Rezeption zeitgenössischer Bilderbücher im Grundschulalter zwischen Ort,
Bild und Sprache. In: Iris Kruse, Andrea Sabisch: Blickwechsel –
Denkspiele – Bildungspotenziale. München: kopaed 2013,167-181

Prof. Dr. Kirsten Winderlich

Ort- und raumbezogene Konzepte und Modelle für die ästhetische Bildung von Kindern und deren Erforschung

Ästhetische Bildung ist nicht nur an Zeit sondern auch an Ort und Raum gebunden. Räume schaffen Atmosphären und vermitteln Botschaften, die sich auf das Erleben und Handeln ihrer Nutzer_innen auswirken. Darüber hinaus kann der Raum vielfältige ästhetische Bildungsimpulse geben, sei es zu Bewegung anregen, Plätze zum Aufführen und Ausstellen bereithalten, Orte integrieren, an denen eine intensive und kontemplative Auseinandersetzung
mit eigenen Themen und Fragestellungen möglich ist. In diesem Zusammenhang haben wir uns folgende Arbeits- und Forschungsschwerpunkte gesetzt:
–    Konzipierung und Aufbau eines Bildungsortes unter dem Dach der Universität der Künste Berlin in Kooperation mit Ólafur Elíasson und Judith Seng (Modellprojekt)
–    Kooperations- und Partizipationsmodelle Kunst und Bildung
–    Methodologie der qualitativen Forschung unter besonderer
Berücksichtigung von Ort und Raum (vgl. auch Bilderbuchwerkstatt)

Prof. Dr. Kirsten Winderlich

Kinderzeichnung und –malerei

Wenn unerwartete Bilder entstehen: Ein Forschungsprojekt zur Entwicklung einer individuellen Bildsprache eines Mädchens vom beginnenden dritten Lebensjahr bis zur Adoleszenz.

Methoden: Phänomenologische und Typologische Methode
Dauer: 2012-2018

„Wir kennen es alle: Auf einmal werden wir mit Bildern konfrontiert, die wir so noch
nicht gesehen haben und die unser Wissen um das, was Kinder machen und können,
irritieren. Wir sammeln diese Bilder über einen längeren Zeitraum und versuchen zu
ergründen, was das Besondere dieser individuellen Entwicklung bildnerischen Gestaltens
ist.
Kinder zeichnen und malen gerade in der frühen Kindheit und zu Beginn der
Grundschulzeit ohne Aufforderung. Das Spurenhinterlassen, Zeichnen und Malen in
dieser Zeit lässt sich dabei als intrinsisch motivierte ästhetische Praxis beschreiben,
die ihnen nicht nur verhilft sich selbst zu erleben und zu spüren, sondern unverzichtbare
Zugänge zur Welt eröffnet (vgl. Schäfer 1995).
Wenn Kinder in diesem Sinne Gelegenheit, Material und Raum erhalten, Bilder zu
produzieren, ist wiederholt zu beobachten, wie sie den Prozess des Spurenhinterlassens,
des Zeichnens und Malens erkunden und dabei mit Strichen, Linien und Formen spielen. Über diesen experimentellen Prozess des Bildermachens hinaus zeigt sich zudem,
dass auch schon die jüngeren Kinder eine eigene Bildsprache entwickeln können
(vgl. Maurer/Riboni 2010).

Soll diese gefördert werden und darüber hinaus ein Übergang im Hinblick auf das Fach
Kunst in der Grundschule geschaffen werden, ist es unabdinglich die individuellen
bildnerischen Gestaltungsprozesse der Kinder in Kindergarten wie in Schule zu dokumentieren, zu beschreiben und zu analysieren. Erkenntnisse über die individuelle
Entwicklung bildnerischen Gestaltens können dabei nicht nur direkt in der Praxis helfen
bildnerische Kompetenzen individualisierend zu fördern, sondern stoßen über den
Einzelfall hinaus weiterführende Fragen zur Komplexität früher Kinderzeichnungen
und -malereien an.“

Aus: Kirsten Winderlich: Wenn unerwartete Bilder entstehen. Rekonstruktion von Aspekten eines bildnerischen Entwicklungsprozesses zwischen dem 3. und dem beginnenden 7. Lebensjahr. In: Frank Schulz, Ines Seumel (Hrsg.): Kindheit. Jugend. Bildsprache. München: kopaed 2013, 688-699