Prof. Dr. Kirsten Winderlich

Kinderzeichnung und –malerei

Wenn unerwartete Bilder entstehen: Ein Forschungsprojekt zur Entwicklung einer individuellen Bildsprache eines Mädchens vom beginnenden dritten Lebensjahr bis zur Adoleszenz.

Methoden: Phänomenologische und Typologische Methode
Dauer: 2012-2018

„Wir kennen es alle: Auf einmal werden wir mit Bildern konfrontiert, die wir so noch
nicht gesehen haben und die unser Wissen um das, was Kinder machen und können,
irritieren. Wir sammeln diese Bilder über einen längeren Zeitraum und versuchen zu
ergründen, was das Besondere dieser individuellen Entwicklung bildnerischen Gestaltens
ist.
Kinder zeichnen und malen gerade in der frühen Kindheit und zu Beginn der
Grundschulzeit ohne Aufforderung. Das Spurenhinterlassen, Zeichnen und Malen in
dieser Zeit lässt sich dabei als intrinsisch motivierte ästhetische Praxis beschreiben,
die ihnen nicht nur verhilft sich selbst zu erleben und zu spüren, sondern unverzichtbare
Zugänge zur Welt eröffnet (vgl. Schäfer 1995).
Wenn Kinder in diesem Sinne Gelegenheit, Material und Raum erhalten, Bilder zu
produzieren, ist wiederholt zu beobachten, wie sie den Prozess des Spurenhinterlassens,
des Zeichnens und Malens erkunden und dabei mit Strichen, Linien und Formen spielen. Über diesen experimentellen Prozess des Bildermachens hinaus zeigt sich zudem,
dass auch schon die jüngeren Kinder eine eigene Bildsprache entwickeln können
(vgl. Maurer/Riboni 2010).

Soll diese gefördert werden und darüber hinaus ein Übergang im Hinblick auf das Fach
Kunst in der Grundschule geschaffen werden, ist es unabdinglich die individuellen
bildnerischen Gestaltungsprozesse der Kinder in Kindergarten wie in Schule zu dokumentieren, zu beschreiben und zu analysieren. Erkenntnisse über die individuelle
Entwicklung bildnerischen Gestaltens können dabei nicht nur direkt in der Praxis helfen
bildnerische Kompetenzen individualisierend zu fördern, sondern stoßen über den
Einzelfall hinaus weiterführende Fragen zur Komplexität früher Kinderzeichnungen
und -malereien an.“

Aus: Kirsten Winderlich: Wenn unerwartete Bilder entstehen. Rekonstruktion von Aspekten eines bildnerischen Entwicklungsprozesses zwischen dem 3. und dem beginnenden 7. Lebensjahr. In: Frank Schulz, Ines Seumel (Hrsg.): Kindheit. Jugend. Bildsprache. München: kopaed 2013, 688-699